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Unser Gedächtnis ist zu unglaublichen Leistungen im Stande. Sogenannte Gedächtniskünstler schaffen es beispielsweise, sich in wenigen Minuten einige hunderte Dezimalziffern zu merken. Oder sich die Reihenfolge eines gemischten Kartenstapels mit 52 Blatt in weniger als 13 Sekunden einzuprägen.

Solche Leistungen erfordern enorm viel Übung und Zeitaufwand. Die Techniken, sogenannte Mnemotechniken, die so etwas ermöglichen, kann jedoch jede*r erlernen. Wir stellen in diesem Beitrag 8 Tipps und Tricks vor, die beim erfolgreichen Erinnern helfen können. Und wenn es Ihnen genügt, sich künftig besser an Handynummern, Einkaufslisten oder anstehende Termine wie Geburtstage erinnern zu können, reicht es aus diesen Beitrag zu lesen.

Der Levels-of-Processing Ansatz

Der „levels-of-processing“-Ansatz, kurz LOP-Ansatz, stammt von Fergus I.M. Craik und Robert S. Lockhart und kann als Erklärung für viele Merktechniken herangezogen werden.

Laut diesem Modell gibt es drei verschiedene Verarbeitungsebenen für Information:

  1. oberflächlich/ sensorisch
    z.B. Urteile über Buchstaben, das Schriftbild, die Farbe
  2. phonologisch
    z.B. Urteile über Reime
  3. tief /semantisch
    z.B. Urteile, ob ein Wort in einen Satz passt, Urteile über Kategoriezugehörigkeit

Die Ebene der Verarbeitung einer Information beeinflusst ihre Erinnerbarkeit. So führt eine tiefe Verarbeitung zu besseren Gedächtnisleistungen als eine oberflächliche Verarbeitung. Außerdem beeinflusst das Ausmaß der Verarbeitung die Gedächtnisleistung.

Möchten Sie sich also besser an die Einkaufsliste erinnern, müssen Sie dafür sorgen, dass Sie die einzelnen Items nicht nur oberflächlich verarbeiten. Und genau hier setzen erfolgreiche Merktechniken an.

8 Tipps zum erfolgreichen Erinnern

1. Der Self-Reference-Effekt

Menschen erinnern sich besser an Dinge, die in irgendeinem Bezug zur eigenen Person stehen. So fällt es beispielsweise leichter sich an Geburtstage zu erinnern, die näher am eigenen liegen, als an solche, die weiter entfernt sind.

2. Der Restorff-Effekt

Menschen erinnern sich besser an Dinge, die sich von ihrer Umgebung abheben, also sprichwörtlich „aus der Reihe tanzen“. In der Regel schenken wir solchen Besonderheiten mehr Aufmerksamkeit. Wozu sonst gibt es Textmarker?

3. Die Eselsbrücke

Hierbei handelt es sich vermutlich um die bekannteste Mnemotechnik überhaupt. Nicht selten kennen bereits Kinder die enorme Wirksamkeit der Eselsbrücke.

Betrachten wir die Zahl: 5,3453328.

Wie lange würde es dauern, bis Sie die 8 Ziffern aufsagen können? Vermutlich nicht all zu lange. Aber würden Sie sich in einer Woche, einem Monat oder gar einem Jahr noch an Sie erinnern können, ohne den Abruf ständig zu üben?

Mit Hilfe einer Eselsbrücke ist das ganz einfach:
Delta ist eine tolle App von ki elements.

Zählen Sie die Buchstaben der einzelnen Wörter. Trauen Sie sich nun zu, genau diese Zahl mit allen Nachkommastellen noch in einem Monat zu erinnern?

Auf die gleiche Weise können Sie sich ganz einfach die ersten 14 Nachkommastellen der Kreiszahl PI (π) merken: 3,14159265358979 ist nichts anderes als die Anzahl der Buchstaben in “How I want a drink, alcoholic of course, after the heavy lectures involving quantum mechanics.”

Der aktuelle Weltrekord im Memorieren der Zahl PI beträgt übrigens 70.030 Nachkommastellen. Aufgestellt wurde der Rekord am 21.10.2015 von dem Inder Suresh Kumar.

4. Vermeidung von Kontext-Effekten

Während wir versuchen uns Informationen einzuprägen, entstehen zusätzlich sogenannte Kontext-Cues. Dies können zum Beispiel Umgebungskontexte oder auch interne Kontexte, wie Alkohol oder Stimmung, sein. Man spricht hier auch von einem zustandsabhängigen Gedächtnis.

Das wohl bekannteste Experiment in diesem Bereich stammt von D.R. Godden und A.D. Baddeley (1975). Hierbei sollten die Teilnehmer zunächst  eine Liste mit Wörtern lernen. Eine Gruppe befand sich dabei unter Wasser, während die andere an Land lernte. Festgestellt wurde, dass die Gedächtnisleistung jeweils dann am besten ist, wenn die Umgebung von Lern- und Abrufphase gleich ist.  So erinnerten die Taucher unter Wasser mehr Wörter als an Land und die Landeier erinnerten mehr Wörter an Land als unter Wasser.

Tipp: Beim Abruf den ursprünglichen Kontext mental wiederherstellen, sich also an den Moment des Lernens erinnern. Damit Informationen kontextunabhängiger werden, hilft es außerdem, an vielen verschiedenen Orten zu lernen (siehe auch Punkt 7).

5. Der Enactment-Effekt

Im Deutschen ist der Effekt auch als Tu-Effekt bekannt und beschreibt, dass eine ausgeführte Handlung besser erinnert wird also eine nur verbal präsentierte.
Gerade beim Erlernen einer neuen Sprache kann man sich diesen Effekt zu Nutze machen. Führen Sie dazu einfach beim Lernen von Vokabeln eine zum Wort passende Geste aus.

6. Der Test-Effekt

Die Gedächtnisleistung steigt, wenn der Abruf aus dem Gedächtnis geübt wird. Es ist also von Vorteil, den Abruf während beziehungsweise direkt nach der Lernphase zu testen und nicht direkt weiter zu studieren oder zu lesen.  Nach diesem Prinzip funktioniert beispielsweise das Lernen mit Karteikarten.

7. Der Spacing-Effekt

Je länger das angestrebte Behaltensintervall der Information ist, umso größer sollte der Abstand zwischen den Lerndurchgängen sein. Eine verteilte Übung führt zu einer gewissen Variabilität, zum Beispiel durch Kontextveränderungen. Eine weitere Erklärung für den Vorteil verteilter Lerndurchgänge ist die unzureichende Verarbeitung bei punktueller Übung, die mit weniger Aufmerksamkeit einhergeht.

8. Die Loci-Methode

Diese äußerst effiziente Merktechnik wird auch „Methode der Orte“ genannt. Dabei geht es darum, sich einen vertrauten Weg vorzustellen und die zu merkenden Informationen an markanten Stellen dieses Wegs zu „deponieren“. Beispielsweise stellt man sich den Weg zur Arbeit vor und legt Worte an bestimmten Kreuzungen, Tankstellen, Bäckereien etc. ab. Beim Abruf fährt man mental den Weg entlang und hält an den verschiedenen Punkten, um sich an die dort hinterlegten Informationen zu erinnern. Die Methode gilt als eine der ältesten Mnemotechniken und soll schon im Alten Rom benutzt worden sein.

Na, neugierig geworden? Viel Spaß beim Ausprobieren!

Wenn Sie eine Technik erfolgreich anwenden konnten oder weitere Tipps und Tricks zum Erinnern kennen, teilen Sie das gerne mit uns, indem Sie einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlassen. Wir sind gespannt!

Literaturhinweise:

Craik, F. I., & Lockhart, R. S. (1972). Levels of processing: A framework for memory research. Journal of verbal learning and verbal behavior, 11(6), 671-684.
 
Godden, D. R., & Baddeley, A. D. (1975). Context‐dependent memory in two natural environments: On land and underwater. British Journal of psychology, 66(3), 325-331.
 
Kesebir, S., & Oishi, S. (2010). A spontaneous self-reference effect in memory: Why some birthdays are harder to remember than others. Psychological Science, 21(10), 1525-1531.

 

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