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Wenn wir über unser Gedächtnis sprechen, denken die meisten Menschen an abgespeicherte Erinnerungen: an den ersten Tag am Meer, an den Familienhund, den letzten Geburtstag der Oma oder an den Cafébesuch vergangene Woche. Jedoch leistet unser Gedächtnis weitaus mehr als das.

Kurzzeitgedächtnis oder Arbeitsgedächtnis?

Im ursprünglichen Drei-Speicher-Modell von Atkinson und Shiffrin, auch “Modales Modell” genannt, ist das Kurzzeitgedächtnis die zweite Verarbeitungsstufe auf dem Weg in das Langzeitgedächtnis. Dabei handelt es sich um ein kleines Speichersystem für gegenwärtige Gedanken und Erfahrungen. Allerdings passiert auf dieser Gedächtnisebene einiges mehr. Hier werden nämlich nicht nur Informationen vorübergehend gespeichert, sondern auch aktiv weiter verarbeitet und verändert. Das heißt, dass neue Informationen und Umwelteinflüsse in einen Bedeutungszusammenhang gebracht werden und mit bereits bestehenden Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis verbunden werden. Diese Erkenntnisse stammen unter anderem von dem britischen Psychologen Alan Baddeley und seinem Kollegen Graham J. Hitch und gehen ins Jahr 1974 zurück. Die Beiden prägten auch den Begriff des Arbeitsgedächtnisses, um die aktive Mitarbeit an der Erinnerungsbildung zu betonen1. Arbeitsgedächtnis und Kurzzeitgedächtnis beschreiben prinzipiell also die gleiche Gedächtnisebene.

Das Arbeitsgedächtnis-Modell von Baddeley

Ein kleines Gedankenexperiment (von Baddeley)

Nehmen Sie sich kurz Zeit und denken Sie an Ihre Wohnung. Wie viele Fenster gibt es dort? Vermutlich sind Sie gerade in Gedanken durch Ihre Wohnung gelaufen und haben sich die Räume vorgestellt. Dazu benötigen Sie den visuell-räumlichen Notizblock. Während Sie dann in Gedanken von Zimmer zu Zimmer gehen, zählen Sie die Fenster. Hierzu benötigen Sie die phonologische Schleife. Und die zentrale Exekutive ermöglicht zum einen den Abruf der benötigten Informationen aus dem Langzeitgedächtnis und zum anderen den Informationsaustausch zwischen diesen Subsystemen. Außerdem sorgt sie dafür, dass Sie die Aufgabenstellung nicht vergessen. Auch während Sie diesen Text lesen ist ihr Arbeitsgedächtnis am Werk. Es sorgt dafür, dass Sie am Ende eines Satzes noch wissen, um was es am Anfang überhaupt ging. Außerdem verknüpft es neue Informationen des Textes mit Ihrem bereits vorhandenen Wissen über das Gedächtnis.

Der visuell-räumliche Notizblock

Der visuell-räumliche Notizblock ermöglicht die mentale Aufrechterhaltung von visuell-räumlicher Information. So können wir beispielsweise einem verzweifelten Autofahrer den Weg zur nächsten Tankstelle erklären, indem wir uns vorstellen, selbst dorthin zu fahren. Ein weiteres Beispiel, um die Funktion des visuell-räumlichen Notizblocks zu verdeutlichen, sind die nebenstehenden, sogenannten Shepard-Figuren. Diese stammen aus den Forschungsarbeiten von Shepard und Metzler (1971) über mentale Rotation. Aufgabe ist es, zu entscheiden, ob die Figuren identisch oder spiegelverkehrt sind.

Twissel, A. (2014). Visualisation in Applied Learning Contexts: A Review. Educational Technology & Society 17(3):180-191

Die ∆elta home App

Mit dem Hirnleistungstraining der ∆elta home App kann, neben vielen weiteren, auch die Fähigkeit zur mentalen Rotation trainiert werden.  Zum Beispiel wird der visuell-räumliche Notizblock bei dem Trainingsspiel Blickwinkel gebraucht. Hier gilt es Perspektive zu übernehmen und das entsprechende Bild zur vorgegebenen Situation auszuwählen.

Die phonologische Schleife

Die phonologische Schleife dient der mentalen Aufrechterhaltung von sprachlicher Information. Wie bei der ursprünglichen Vorstellung des Kurzzeitgedächtnisses ist es möglich, dem Vergessen durch innere Wiederholung (Rehearsal) aktiv entgegenzuwirken. Zu beobachten ist dieser Vorgang beispielsweise, wenn Sie eine Telefonnummer nachschlagen und sich diese bis zum Telefon immer wieder innerlich vorsagen. Das Gleiche machen wir oft auf dem Weg ins Geschäft mit Dingen, die wir einkaufen möchten.

Die zentrale Exekutive

Die zentrale Exekutive ist die Kontrollinstanz des Arbeitsgedächtnisses. Die kognitiven Kontrollprozesse der zentralen Exekutive sind eng mit dem Konzept der Aufmerksamkeit verknüpft. Es handelt sich hierbei um eine Ansammlung von kognitiven Kontrollprozessen. Während im ursprünglichen Modell von Baddeley unter diesem Begriff alle Prozesse zusammengefasst wurden, die nicht eindeutig den Subsystemen zugeordnet werden konnten, haben Miyake und Kollegen (2000) diese 3  als die wichtigsten klassifiziert:

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Der episodische Puffer

Dieses Untersystem des Arbeitsgedächtnisses stellt die Verbindung zum Langzeitgedächtnis dar. Demnach ermöglicht der episodische Puffer die Verknüpfung zwischen Informationen aus der Umwelt im Arbeitsgedächtnis und Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis. Das führt zu einer besseren Performanz in Aufgaben, die wir schon öfter gemacht haben. Erfolgreiche Herangehensweisen können dann aus dem Langzeitgedächtnis abgerufen werden. Allerdings kann dies neuen kreativen Lösungen auch im Wege stehen. Abschließend lässt sich festhalten, dass wir ohne funktionierendes Arbeitsgedächtnis in unserer Fähigkeit den Alltag zu bewältigen sehr eingeschränkt wären. Wenn Sie also das nächste Mal über unser Gedächtnis sprechen, denken Sie auch an diesen Teil ihres Gedächtnisses, denn ohne ihn, wäre das Gespräch in der Form erst gar nicht möglich.

Weitere Literaturhinweise:

Eysenck, M. & Keane, M. T. (2015). Cognitive Psychology: A student’s Handbook, Abingdon: Taylor & Francis.

Hier können Sie mehr über Störungen der Gedächtnisfunktionen erfahren.

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